28. Mai 2026
Wenn die Verunsicherung groß ist: Impfen beim Hund – ja, nein oder vielleicht?
Das Thema Impfen beim Hund sorgt immer wieder für Unsicherheit. Viele Hundehalterinnen und Hundehalter möchten ihre Tiere bestmöglich schützen, fragen sich aber gleichzeitig, welche Impfungen wirklich notwendig sind und ob regelmäßige Auffrischungen immer sinnvoll sind.
Dieser Beitrag richtet sich an alle, die ihre Hunde impfen lassen, das Thema aber dennoch kritisch, informiert und verantwortungsvoll betrachten möchten.
Noch immer gilt die Impfung als eine der wichtigsten Maßnahmen, um schwere Infektionskrankheiten zu verhindern. Gleichzeitig wird heute deutlich stärker hinterfragt als früher, ob jede Impfung in jedem Fall und in jedem Abstand notwendig ist. Genau darin liegt die aktuelle Diskussion.
Warum Hunde überhaupt geimpft werden
Mit einer Impfung wird das Immunsystem darauf vorbereitet, auf bestimmte Krankheitserreger schnell und wirksam zu reagieren. Der Körper bildet dabei Abwehrmechanismen gegen abgeschwächte oder inaktivierte Bestandteile eines Erregers, um im Ernstfall geschützt zu sein.
Besonders gut wirken Impfungen in der Regel gegen virale Erkrankungen wie:
- Staupe
- Parvovirose
- Tollwut
Bei bakteriellen Erkrankungen ist die Schutzwirkung oft begrenzter oder kürzer, was bei der späteren Impfentscheidung eine wichtige Rolle spielen kann.
Core- und Non-Core-Vakzinen: Wo liegt der Unterschied?
Grundsätzlich werden Hundeimpfungen in Core-Vakzinen und Non-Core-Vakzinen unterteilt.
Core-Vakzinen
Diese Impfungen gelten als besonders wichtig, weil sie vor schweren Erkrankungen schützen, gegen die jeder Hund grundsätzlich abgesichert sein sollte.
Dazu gehören:
- Staupe
- Parvovirose
- Tollwut
Non-Core-Vakzinen
Diese Impfungen werden nicht pauschal für jeden Hund empfohlen, sondern abhängig von:
- Lebensumfeld
- Alter
- Gesundheitszustand
- individuellem Infektionsrisiko
Dazu zählen unter anderem:
- Hepatitis contagiosa canis (HCC)
- Parainfluenza
- Bordetella bronchiseptica
- Leptospirose
- Borreliose
- Canines Herpesvirus
- Tetanus
Die wichtigsten Core-Impfungen im Überblick
Staupe und Parvovirose
Sowohl Staupe als auch Parvovirose sind schwere Viruserkrankungen, die insbesondere für Welpen und junge Hunde sehr gefährlich werden können.
Staupe kann verschiedene Organsysteme betreffen und unter anderem folgende Symptome verursachen:
- Fieber
- Erbrechen
- Durchfall
- Atemwegsprobleme
- neurologische Ausfälle
Parvovirose ist hoch ansteckend und zeigt sich häufig durch:
- hohes Fieber
- starke Durchfälle
- massive Schwächung des Immunsystems
Gerade weil diese Erkrankungen schwer verlaufen können, gilt die Impfung hier weiterhin als besonders wichtig.
Tollwut
Auch wenn Deutschland seit vielen Jahren als frei von klassischer Tollwut gilt, bleibt die Tollwutimpfung relevant.
Sie ist häufig erforderlich für:
- Auslandsreisen
- Hundepensionen
- Veranstaltungen
- bestimmte Betreuungsangebote
Wer mit seinem Hund reisen möchte, sollte sich rechtzeitig über die jeweiligen Einreisebestimmungen informieren. Je nach Land und Impfstoff gelten unterschiedliche Vorgaben.
Die wichtigsten Non-Core-Impfungen im Überblick
Hepatitis contagiosa canis (HCC)
HCC ist eine virale Lebererkrankung des Hundes. In Deutschland kommt sie heute nur noch selten vor, weshalb die Relevanz dieser Impfung zunehmend individuell bewertet wird.
Parainfluenza und Bordetella bronchiseptica
Diese Erreger gehören zum sogenannten Zwingerhusten-Komplex. Eine Impfung kann eine Ansteckung nicht immer vollständig verhindern, aber dazu beitragen, Symptome und Verlauf zu mildern.
Besonders relevant kann sie sein für Hunde mit viel Kontakt zu Artgenossen, zum Beispiel in:
- Hundeschulen
- Tierheimen
- Hundepensionen
- Hundetagesstätten
Leptospirose
Leptospirose ist eine bakterielle Erkrankung, die verschiedene Organe betreffen kann, darunter:
- Nieren
- Leber
- Lunge
- Magen-Darm-Trakt
Die Beurteilung dieser Impfung ist nicht immer einfach, da es viele verschiedene Unterformen des Erregers gibt und die Schutzdauer vergleichsweise kurz sein kann. Deshalb sollte die Entscheidung immer individuell getroffen werden.
Borreliose
Borreliose wird durch Zecken übertragen. Eine Impfung kann nicht sicher jede Infektion verhindern und wird deshalb meist nur in ausgewählten Fällen oder Risikogebieten in Betracht gezogen.
Grundimmunisierung und Auffrischung
Beim Impfen wird zwischen Grundimmunisierung und Auffrischungsimpfung unterschieden.
Grundimmunisierung
Die Grundimmunisierung bildet die Basis für einen zuverlässigen Schutz. Sie ist besonders im Welpen- und Junghundealter entscheidend und wird allgemein als sehr wichtig angesehen.
Auffrischungsimpfung
Auffrischungen sollen den bestehenden Schutz erhalten. Ob sie in jedem Fall in festen Abständen notwendig sind, wird heute jedoch deutlich differenzierter betrachtet als früher.
Abkürzungen im Impfpass
Im Impfpass finden sich häufig verschiedene Abkürzungen. Die wichtigsten sind:
- T = Tollwut
- S = Staupe
- H = Hepatitis
- P = Parvovirose oder Parainfluenza
- L2 = zweifache Leptospirose-Impfung
- L4 = vierfache Leptospirose-Impfung
Typische Kombinationsimpfungen sind zum Beispiel:
- SHPPi + L
- SHP + L
- jeweils zusätzlich mit T
Fazit
Impfen beim Hund ist kein Thema, das sich mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten lässt. Es geht vielmehr darum, informierte und individuelle Entscheidungen zu treffen.
Eine gute Grundimmunisierung ist dabei besonders wichtig. Bei weiteren Impfungen sollte immer berücksichtigt werden, wie ein Hund lebt, wie hoch sein tatsächliches Risiko ist und welche Maßnahmen medizinisch sinnvoll sind.
Wer sich mit dem Thema kritisch auseinandersetzt und nicht nur pauschalen Empfehlungen folgt, übernimmt Verantwortung – für den eigenen Hund und für dessen Gesundheit.
